Sankt Martin – Der entscheidende Teil der Geschichte wird oft vergessen.

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“Martins Karriere war eine Familienangelegenheit”, sagt der Theologe und Autor Uwe Metz auf Anfrage unserer Redaktion.

“Sein Vater arbeitete als Tribun, eine Art Hauptmann, für das Militär, und so war Martinus – der Name leitet sich vom römischen Kriegsgott Mars ab, der eine zusätzliche Militärmarke war – automatisch zum Militärdienst verpflichtet.

Schon zu seiner Zeit, im vierten Jahrhundert, war Martin im Volk als ein selbstloser und großzügiger Wohltäter bekannt.

Christliche Werte standen ihm nicht in die Wiege – vielmehr war es der unchristliche Name “Martinus”, den ihm seine Eltern bei seiner Geburt um 316/317 n. Chr. gegeben hatten.

Martins Karriere war eigentlich schon vorherbestimmt.

Die meisten Kinder kennen die Geschichte, wie Martin seinen Mantel mit dem Bettler teilte.

Am Tag von Martin am 11.

November wird der Tat des Heiligen gedacht.

So berühmt die Geschichte auch ist, ist es doch so erstaunlich, dass viele einen sehr wichtigen Teil gar nicht kennen.

Auf seinen vielen Reisen als Offizier kam Martin in Italien zum ersten Mal mit dem christlichen Glauben in Berührung.

Er war davon begeistert, widmete sich aber weiterhin hingebungsvoll seiner vorgesehenen Aufgabe: als Soldat in der Leibwache des Kaisers.

Denn in Frankreich, genauer gesagt in der Stadt Amiens, begegnete Martin an einem kalten Wintertag einem Bettler.

“Wenn diese Szene heute nachgespielt wird, ist sie natürlich ziemlich dramatisch”, sagt der Theologe Metz.

“Saint-Martin hatte einen Biographen, der sehr darauf bedacht war, Martins christliche Grundhaltung hervorzuheben”, sagt Metz.

“So ist überliefert, dass Martin als Soldat nie zum Schwert griff, um anderen Menschen zu schaden, sondern nur einmal – was uns zu der berühmten Szene führt.

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Martin, zu Pferd und in einen roten Mantel gekleidet, beugte sich zu dem Bettler hinunter.

“Er war wahrscheinlich weder auf einem Pferd noch trug er einen roten Mantel”, erklärt Metz.

“Es war ein ganz normaler, gefütterter Mantel, und als er den Bettler sah, teilte er seinen Mantel mit dem Schwert und gab dem Mann eine Hälfte des Mantels.

So wohltätig Martins Mantelabteilung auch war, sie bereitete ihm hinterher so viel Ärger.

“Man muss sich vorstellen: Martin kam in der Armee mit einem zerfetzten Mantel zu seinem Volk zurück”, sagt Metz.

“Er hatte militärisches Eigentum zerbrochen.

Dafür gäbe es heute etwas auf dem Dach, aber Martin wurde sogar verhaftet.

“Aber der Gefängnisaufenthalt muss Schicksal gewesen sein, denn dort wurden die Weichen für Martins zukünftiges Leben gestellt.

Und das ist der Teil seiner Geschichte, den viele oft vergessen: In der Arrestzelle sah er Jesus in einem Traum.

Jesus war wie ein Bettler mit einem halben Mantel gekleidet und sagte zu den Engeln: “Martinus, der noch nicht getauft ist, hat mich mit diesem Mantel bekleidet.

“Daraufhin war Martins künftiger Lebensweg klar: Er wollte nicht mehr der Armee dienen, sondern Jesus.

“Es gibt zwei Motive in dieser Traumszene”, erklärt Metz.

Das eine ist, dass eine Gottheit in demütiger Gestalt auf der Erde wandelt und die Frömmigkeit der Menschheit auf die Probe stellt.

Übrigens war dies in der Tradition nichts Neues.

Damals begriffen die Menschen sofort, dass, wenn sie einem armen Mann begegnen, sich dahinter eine Gottheit verbergen könnte.

“Aber das eigentliche Motiv hinter der Traumszene ist das Matthäus-Evangelium aus der Bibel.

Dort heißt es im gleichen Sinne: ‘Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr für mich getan.

Und: ‘Als ich hungrig war, gabst du mir zu essen; als ich nackt war, gabst du mir Kleider.

Die Traumszene ist also eine vollständige Illustration des Bibelwortes.

Nach dem Traum stellte sich Martin ganz in den Dienst Gottes, ließ sich taufen, legte seinen Dienst in der Armee nieder, gründete das erste Kloster im Abendland und wurde irgendwann sogar Bischof – wenn auch äußerst widerwillig.

Eine andere Geschichte, die überliefert ist, erzählt von Martins unfreiwilliger Ernennung zum Bischof von Tours, einer Stadt in Frankreich, im Jahr 372.

“Dort war er bei den Menschen so beliebt, dass sie ihn als ihren Bischof sehen wollten.

Aber Martin wollte das nicht”, erzählt Metz.

Martin zog es vor, bescheiden und für Gott in seiner kleinen Hütte zu leben.

“Die Leute wussten jedoch um seinen guten Ruf als Ratgeber, Geistlicher, Pastor und Heiler und wurden immer aufdringlicher, schließlich lief Martin vor ihnen davon und versteckte sich in einem Gänsehaus.

Aber die Gänse wollten ihn nicht bei sich haben und gackerten so laut, dass Martin gefunden wurde und Bischof werden musste – und er war ein wirklich guter.

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