Koronapandemie – Wird der Impfstoff die Normalität wiederherstellen?

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In Europa wurde das Zulassungsverfahren für zwei Impfstoffkandidaten bisher parallel zur klinischen Studie bei der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) gestartet.

Ob – und wenn ja, wann – diese Impfstoffkandidaten zugelassen werden, ist nun die große Frage, die sich jeder stellt.

Überall auf der Welt arbeiten Wissenschaftler und Pharmaunternehmen daran, einen Korona-Impfstoff rasch zu entwickeln und auf den Markt zu bringen.

Was sonst viele Jahre dauern würde, soll nun innerhalb von Monaten erledigt sein – “Lichtgeschwindigkeit” nennt beispielsweise die Mainzer Firma Biontech ihr Impfstoffprojekt, das sie gemeinsam mit dem US-Pharmariesen Pfizer vorantreibt.

Der Wirkstoff ist einer von derzeit rund einem Dutzend Kandidaten in der dritten und letzten Phase der klinischen Prüfung mit Zehntausenden von Probanden.

Es ist eine Frage, die sich wahrscheinlich viele Menschen im Moment stellen: Wird unser Leben jemals wieder normal sein – und wann? Die große Hoffnung liegt in der raschen Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs.

Wie ist der aktuelle Stand der Dinge und was sagen die Prognose-Experten?

Viele Wissenschaftler und Pharmaunternehmen erwarten die ersten Zulassungen Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rechnet mit dem Beginn der Impfungen Mitte 2021.

Risikogruppen und Beschäftigte im Gesundheitssystem können damit rechnen, als erste geimpft zu werden.

Dies ist nicht ungewöhnlich und auch bei anderen Impfstoffen der Fall:

Eines ist klar: Die Zulassung eines Impfstoffs wird die Pandemie nicht sofort beenden.

Experten weisen darauf hin, dass kein Impfstoff zu 100 Prozent wirksam ist, so dass nicht jede geimpfte Person zuverlässig vor einer Infektion geschützt ist.

Impfstoff wird die Koronapandemie nicht sofort beenden
Bis viele geimpft sind, wird es dauern
Hoffnung: “Etwas mehr Normalität im Winter 2021”.
Senioren brauchen vielleicht größere Mengen
Hygiene schützt: Die wichtigsten Regeln in der Korona-Zeit

Für die Zulassung der ersten Korona-Impfstoffe hat die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) ein Wirksamkeitsziel von mindestens 50 Prozent festgelegt, aber in der EU gibt es noch keine Empfehlung.

“Es ist möglich, dass die ersten Impfstoffe nicht immer in der Lage sind, eine Infektion zu verhindern”, sagt Arne Kroidl, Senior Investigator für Korona-Impfstoffstudien am Tropeninstitut des Klinikums der Universität München.

“Es ist jedoch mit einem deutlichen Effekt in Form von klinischen Symptomen oder schweren Verläufen zu rechnen, und eine verringerte Viruslast würde auch eine geringere Infektiosität wahrscheinlich machen.

“Auch dies wäre ein Erfolg.

Die weltweite Kapazität beträgt derzeit nur etwa fünf Milliarden Dosen pro Jahr – für die Produktion aller verfügbaren Impfstoffe.

Es wird daher noch einige Zeit dauern, bis große Teile der Bevölkerung nach der Freigabe eines Impfstoffs geimpft sind.

Viele Experten gehen davon aus, dass eine Impfstoffdosis für eine wirksame Immunisierung nicht ausreichen wird.

Es werden wahrscheinlich mehrere Impfungen notwendig sein, sagt Clemens Wendtner, Chefarzt der Klinik für Infektiologie am Klinikum München Schwabing.

Um die Hälfte der Weltbevölkerung zweimal zu impfen, wären fast acht Milliarden Dosen nötig, berechnete Sue Middleton, Vorsitzende der Europäischen Impfvereinigung, kürzlich.

Um schneller auf den Markt zu kommen, haben mehrere Hersteller bereits mit dem Aufbau der Produktion begonnen.

Verträge über den Kauf von Impfstoffdosen mit Ländern oder Ländergruppen dürften das Kostenrisiko für die Unternehmen verringern.

“Ich gehe bereits jetzt davon aus, dass ein großer Teil der Menschen im Winter 2021 geimpft werden kann”, sagt Kroidl.

Dass damit wieder etwas mehr Normalität einkehren wird, “scheint durchaus realistisch”.

Thomas Mertens, Vorsitzender der Ständigen Impfkommission am Robert-Koch-Institut, hält eine Impfung bis 2022 nicht für realistisch.

“Es wird noch lange dauern, bis wir durch die Impfung eine merkliche Veränderung des Infektionsgeschehens sehen, so dass wir sagen können, dass jetzt wieder Frieden einkehren kann”, sagte der Virologe in einem Interview mit den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Auch wenn man etwa 100 geimpft ist.

000 Menschen pro Tag geimpft werden – was schnell gehen würde – würde es 150 Tage dauern, um 15 Millionen Menschen zu impfen.

Es ist nicht klar, wie lange ein Impfschutz hält.

Es scheint unwahrscheinlich, dass die Impfung ein Leben lang hält.

“Bei einem COVID-19-Impfstoff könnte es auch sein, dass man wie bei der Grippeimpfung regelmäßig nachgeimpft werden muss”, sagt Wendtner.

“Es ist nicht ungewöhnlich, dass Impfungen nicht jahrelang halten, sondern regelmäßig aufgefrischt werden müssen.

” (Sabine Dobel//af)

Ältere Menschen stellen für Impfstoffentwickler eine besondere Herausforderung dar.

Sie sind möglicherweise weniger wirksam, weil ihr Immunsystem schwächer ist als das von jüngeren Menschen.

Das ist wahrscheinlich der Grund, warum ältere Menschen größere Mengen Impfstoff benötigen würden, sagt Sebastian Ulbert, Leiter der Abteilung Imm.

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