Geschmolzener Ring im Weltraum lässt Hubble 9 Milliarden Jahre in die Vergangenheit blicken

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Die Schwerkraft verformt den Raum auf seltsame und kontraintuitive Weise, und je größer die Quelle der Schwerkraft ist, desto stärker ist die Verformung. Ein Beispiel für die optischen Täuschungen der Schwerkraft sind die wunderschönen Ringe im Weltraum, die sogenannten Einstein-Ringe, von denen einer kürzlich vom Hubble-Weltraumteleskop aufgenommen wurde.

Benannt nach dem Physiker, der den seltsamen dehnenden Einfluss der Schwerkraft auf den Weltraum vorausgesagt hat, kann die Untersuchung von Ringen wie dem unten gezeigten den Astronomen helfen, weit in die Ferne zu blicken und eine Galaxie so zu sehen, wie sie vor über 9 Milliarden Jahren aussah.

Das Objekt sieht vielleicht wie ein Ring aus, aber die Lichtquelle ist in Wirklichkeit eine ganz normale alte Galaxie. Die Ringform entsteht durch ein Phänomen namens Gravitationslinseneffekt, bei dem das Licht der fernen Galaxie durch die Schwerkraft eines Galaxienhaufens zwischen ihr und uns verzerrt wird.

Dieses Phänomen verändert nicht nur die scheinbare Form der Galaxie, sondern vergrößert sie auch und macht sie heller. Die Galaxie erscheint aufgrund des Linseneffekts 20-mal heller, was es Hubble ermöglichte, sie mit dem Äquivalent eines riesigen Teleskops mit 48 Metern Öffnung abzubilden.

Dieser besondere Ring ist offiziell als GAL-CLUS-022058s bekannt, hat aber auch einen umgangssprachlichen Spitznamen: Der geschmolzene Ring, der sich passenderweise im Sternbild Fornax (der Ofen) befindet. Dieses Bild wurde im Dezember letzten Jahres als Hubble-Bild der Woche veröffentlicht, und seitdem haben Forscher den Ring auch mit anderen Instrumenten wie dem FORS-Instrument des Very Large Telescope (VLT) der Europäischen Südsternwarte untersucht.

Durch die Betrachtung dieses Rings können die Forscher etwas über eine sehr weit entfernte Galaxie lernen, indem sie praktisch in die Zeit zurückblicken, als das Universum weniger als die Hälfte seines heutigen Alters hatte. Dies war eine sehr aktive Zeit, in der viele Sterne geboren wurden.

“Die linsenbehaftete Galaxie ist eine der hellsten Galaxien im Millimeter-Wellenlängenbereich”, sagt einer der Autoren, Helmut Dannerbauer vom Institut für Astrophysik der Kanarischen Inseln in Spanien. “Unsere Untersuchungen haben außerdem gezeigt, dass es sich um eine normale sternbildende Galaxie (eine so genannte Hauptreihengalaxie) handelt, die sich in der Hochphase der Sternbildung im Universum befindet.”

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