Telekommunikationsindustrie: Ökostrom zur Verbesserung der Klimabilanz.

0

Seit April verwendet Vodafone in seinen eigenen Einrichtungen und Geschäften ausschließlich Ökostrom.

In Mietobjekten oder auf Privatgrundstücken mit Vodafone-Antennen ist dies in einigen Fällen noch nicht der Fall: Hier erhält Vodafone manchmal “grauen” Strom vom Vermieter.

Diesen Strom, der auch aus Kohlekraftwerken stammt, will Vodafone nun durch den Kauf von Zertifikaten für erneuerbare Energien, die auch Herkunftsnachweise genannt werden, kompensieren.

Mathematisch “grün”.
Ökostrom und Zertifikate
Windkraftanlagen auf Mobilfunkmasten

Deutschlands Telekommunikationsunternehmen setzen zunehmend auf Ökostrom, um ihre Antennen, Server und Speicher klimafreundlicher zu betreiben.

Vodafone kündigte am Donnerstag eine komplett “grüne” Strombilanz zu Hause an, d.h. Energie aus Wind-, Sonnen- oder Wasserkraft.

“Wir setzen auf Nachhaltigkeit, weil unsere Kunden, unsere Mitarbeiter und auch der Kapitalmarkt sie zunehmend fordern”, sagte der deutsche Vodafone-Chef Hannes Ametsreiter.

Er betonte, dass wirtschaftlicher Erfolg nicht auf Kosten der Umwelt gehen dürfe.

Die Telekommunikationsbranche wolle “grüner” werden.

Für den Betrieb ihrer Antennenanlagen setzen die Unternehmen auf Ökostrom und Zertifikatehandel.

Mit solchen Zertifikaten, die sich auf anderweitig betriebene Solar-, Wind- oder Wasserkraftwerke beziehen, wird der Stromverbrauch von Vodafone rechnerisch komplett “grün” – rückwirkend für das im April begonnene Geschäftsjahr 2020/21.

Vodafone schätzt die Kosten für diese Zertifikate und für direkt bezogenen Ökostrom auf rund 25 Millionen Euro über fünf Jahre.

Auch die Konkurrenten von Vodafone machen Fortschritte beim Klimaschutz.

Telefónica Deutschland zum Beispiel bezieht mit seiner Marke O2 seit 2016 hundertprozentigen Ökostrom – das Münchner Unternehmen ist also frühzeitig umgestiegen.

Wie bei den Wettbewerbern galt allerdings auch bei den Mietobjekten, in denen das Unternehmen keine Einkaufsmacht hat, der Anteil des Stroms als “grau” – also nicht aus erneuerbaren Energien.

Telefónica zahlt eine Pauschale für die Miete eines Antennenstandorts, d.h. inklusive Stromkosten.

Woher die Energie kommt, bleibt dem Vermieter überlassen, der nach Meinung von Brancheninsidern oft die billigste Quelle und damit auch Kohle wählen dürfte.

Mit dem Kauf des Zertifikats reduziert Vodafone nach eigenen Angaben seine CO2-Emissionen auf dem Papier um 92 Prozent.

Die restlichen 8 Prozent entfallen u.a. auf die Firmenwagenflotte und Notstromdieselaggregate.

Vodafone prüft, ob es Wasserstoff-Varianten für die Generatoren einsetzen kann.

Und die Hälfte der Dienstwagenflotte soll bis 2025 auf Strom umgestellt werden.

Bis 2025 will Vodafone zudem “klimaneutral” sein – das heißt, die verbleibenden Emissionen sollen durch Klimaschutzprojekte ausgeglichen werden.

Ein solcher Handel mit Zertifikaten ist jedoch nicht unumstritten – Umweltschützer kritisieren, dass weiterhin CO2 ausgestoßen wird und sich damit insgesamt wenig ändern wird.

Aus ihrer Sicht wäre es am besten, Strom aus lokalen Ökoquellen zu beziehen.

Die Deutsche Telekom deckt ihren inländischen Stromverbrauch seit Anfang des Jahres vollständig mit erneuerbaren Energien und kauft auch Zertifikate ein.

Um diesen Kohlenruß gewissermaßen von der Klimaschutzweste abzuschütteln, will Telefónica ab Anfang 2021 Ökostrom-Zertifikate kaufen, die auf skandinavischer Wasserkraft basieren.

Damit wäre auch der Stromverbrauch von Telefónica rechnerisch komplett “grün”.

Im Jahr 2019 lag der “graue” Anteil noch bei 16 Prozent des Stromverbrauchs des Konzerns, und die Tendenz ist rückläufig.

Auch Vodafone, Telefónica und Deutsche Telekom sehen in einer verbesserten Energieeffizienz eine weitere Säule des Klimaschutzes – Stromfresser werden abgeschaltet und neue Technik installiert.

So wird sichergestellt, dass weniger Strom verbraucht wird.

Vodafone behauptet, im Jahr 2019 zehnmal so viele Daten transportiert zu haben wie 2014, der Stromverbrauch soll aber in etwa gleich geblieben sein.

Auch der neue Mobilfunkstandard 5G ist in dieser Hinsicht hilfreich, denn er soll 80 Prozent weniger Energie verbrauchen als sein Vorgänger 4G (LTE).

Als weiteren Schritt zum Klimaschutz will Vodafone mehr “grünen” Strom selbst erzeugen.

Das Düsseldorfer Unternehmen arbeitet unter anderem mit dem Start-up Mowea zusammen, das Kleinwindanlagen für Mobilfunkmasten entwickelt.

An windschwachen Standorten sollen verstärkt Solaranlagen zum Einsatz kommen.

Die eigene Stromerzeugung sei aber nur eine “ergänzende Maßnahme”, wie ein Sprecher betonte – sie macht also nur einen kleinen Teil des gesamten Energiebedarfs des Unternehmens aus.

..

Share.

Leave A Reply