Online-Bestellbetrug dank PayPal und Kauf auf Rechnung.

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Besonders hell in Deutschland
Unzureichende Betrugsprävention

Steigende Betrugszahlen bei gleichzeitig sinkender Aufklärungsrate: Nach Recherchen von Autoren(werk) und ZDF macht es der deutsche Online-Handel Betrügern im internationalen Vergleich zu leicht, Waren auf Rechnung mit ausländischer Identität oder mit Hilfe von gefälschten PayPal-Konten zu bestellen.

Die Bezahlung per Rechnung nur mit dem guten Namen und Geburtsdatum oder über gefälschte PayPal-Konten ermöglicht es Betrügern, deutsche Online-Händler abzuzocken.

Laut dem verurteilten Betrüger “Exeption”, der derzeit wegen Millionenbetrugs in der Dresdner JVA inhaftiert ist, ist es im internationalen Vergleich besonders leicht, Online-Händler in Deutschland zu betrügen.

PayPal und Zahlungsdienstleister wie Ratepay, Billpay oder Klarna spielen dabei eine Schlüsselrolle, wie die Autoren von autoren(werk) und ZDF recherchiert haben.

Den Schaden verursachen die Opfer von Identitätsdiebstahl, die sich wochen- und monatelang mit Inkassounternehmen über nie erteilte Aufträge auseinandersetzen müssen, und die deutsche Justiz, die in der Flut der Fälle erstickt.

Martin Groß-Albenhausen vom Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland e.) lehnt strengere gesetzliche Auflagen zur Betrugsprävention ab.

V.

In einem Interview lehnt Martin Groß-Albenhausen strengere gesetzliche Anforderungen an die Betrugsprävention kategorisch ab.

Die Verfolgung der Missbrauchsdelikte sei nun mal Aufgabe des Staates.

Bei Kauf auf Rechnung oder Zahlung scheinen PayPal und abweichende Lieferadressen Online-Händler und Zahlungsdienstleister noch nicht stutzig zu werden.

Die Täter machen sich dies zunutze, um die Waren an Paketdienste liefern zu lassen, die sie dann ins Ausland versenden.

In der Reportage ZDFzoom, die am heutigen Mittwochabend um 23.00 Uhr im ZDF ausgestrahlt wird und jetzt online in Mediatek abrufbar ist, konnten die Autoren die Spur der Bestellbetrüger bis in die Ukraine verfolgen, bevor sie sie verloren.

Die wahren Hintermänner operieren weiterhin ungestört im Dunkeln.

Offenbar ist die Kundenüberprüfung unzureichend, wie die Zahlen aus der Polizeilichen Kriminalstatistik der Bundesländer zeigen: 2019 waren es beispielsweise über 57.

000 Fälle von Bestellungsbetrug gemeldet, ein Anstieg von mehr als 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr – bei gleichzeitig sinkender Aufdeckungsrate.

In weniger als jedem dritten Fall konnten Polizei und Staatsanwaltschaft nach Recherchen des ZDF die Täter identifizieren.

Aufgrund der schieren Masse der Fälle müssen die Ermittlungsbehörden die Fälle sehr früh aussortieren und entscheiden, in welchen Fällen ermittelt wird und welche Anklage erhoben wird.

Da PayPal die von Banken bekannte 2-Faktor-Authentifizierung noch nicht eingeführt hat, fällt es Betrügern leicht, mit den bei Darknet erworbenen PayPal-Zugangsdaten Waren zu bestellen und an ausländische Adressen liefern zu lassen.

Die Zahlungsdienstleister der Online-Händler hingegen übernehmen für die Online-Händler die Überprüfung der Kunden und springen bei Nichtzahlung ein, wobei es auch hier darauf ankommt, möglichst bequeme Zahlungsmethoden – wie den in Deutschland beliebten Kauf auf Rechnung – anzubieten.

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