Omnisec: Eine weitere Schweizer Firma verkaufte manipulierte Verschlüsselungsgeräte.

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Wettbewerber von Crypto AG lieferte manipulierte Faxgeräte
Kunden waren Schweizer Behörden
CIA und BND zeigten frühes Interesse
Viele Fragen offen, kaum Antworten
“Neue Dimension in der Geheimdienstaffäre

Infolge der Cryptoleaks-Affäre wurde bekannt, dass die Schweizer Firma Crypto AG unsichere Verschlüsselungsgeräte verkauft hatte.

Inzwischen ist bekannt geworden, dass eine andere Schweizer Kryptofirma anscheinend solche Geräte geliefert hat – und zwar sogar in die Schweiz.

Dies ist das Ergebnis einer Untersuchung von drei Schweizer Medienorganen.

Eine weitere “Krypto-Affäre” in der Schweiz: Omnisec lieferte manipulierte Verschlüsselungsgeräte an inländische Kunden, unter anderem an die Geheimdienste.

Die beiden betroffenen Schweizer Nachrichtendienste waren der Strategische Nachrichtendienst (SND) und der Inlandsgeheimdienst für Analyse und Prävention (DAP).

Die beiden Organe wurden später zum heutigen Bundesnachrichtendienst (BND) zusammengelegt.

Gemäss Recherchen wurden manipulierte Geräte auch von der Grossbank UBS (und einem weiteren, damals noch unbekannten Grosskunden) erworben.

Dies berichteten nun die “Rundschau” des Schweizer Fernsehens (SRF), die Wochenzeitung (WOZ) und das Online-Magazin Republik.

Dass es offenbar einen zweiten Anbieter von derart schwachen Verschlüsselungsgeräten gab, wurde bereits an der jüngsten Pressekonferenz der parlamentarischen Geschäftsprüfungsdelegation (GPDel) angedeutet, ohne Namen und Details zu nennen.

Nun zeigen Recherchen: Die Firma Omnisec, ein Konkurrent der inzwischen berüchtigten Crypto AG, soll Mitte der 2000er Jahre mehrere Schweizer Sicherheitsbehörden mit manipulierten Faxgeräten beliefert haben.

1991 erwarb der US-Telekommunikationskonzern AT&T von Ciba den Arm der Gretag AG, die zivile Verschlüsselungsgeräte entwickelte, und benannte ihn in Gretag Data Systems (GDS) um.

Nach Angaben des Kryptomuseums erhielt die CIA damit die volle Kontrolle über die Verschlüsselungstechniken.

GDS wiederum wurde 1995 von der US-Firma IRE (später SafeNet) übernommen, die von zwei ehemaligen NSA-Ingenieuren gegründet worden war.

Im Gegensatz zu Crypto AG lieferte Omnisec Geräte mit schwacher Verschlüsselung nicht nur an ausländische Regierungen und Militärs, sondern auch an inländische Kunden wie SND, DAP und UBS.

Die Behörden stellten Mitte der 2000er Jahre fest, dass die Geräte nach Angaben des SRF unsicher waren.

Laut “Cryptomuseum”, einer Art Wiki für die Geschichte der Kryptographie-Firmen und der Geheimdienste, stammten auch die Verschlüsselungsgeräte für internationale SWIFT-Banktransaktionen von der Firma Gretag.

So hiess die Kryptofirma (später Omnisec) mit Sitz im Kanton Zürich von Ende der 1950er bis Anfang der 1990er Jahre.

Eine Genfer Hightech-Holdinggesellschaft namens Argonium SA übernahm dann das Kryptogeschäft mit Regierungen und dem Militär.

Das neue Unternehmen erhielt den Namen Omnisec.

Die Beziehungen des neuen Eigentümers waren jedoch fragwürdig.

Nach Angaben der Republik wurde Argonium einen Monat zuvor von dem Rechtsanwalt Urs Ingold gegründet, der angeblich für den militärischen Nachrichtendienst, Untergruppe Nachrichtendienste und Verteidigung, gearbeitet haben soll.

Er soll auch in CIA-Dokumenten aufgetaucht sein.

Bereits 1987 beschloss Ciba, den Geschäftsbereich “Behörden” zu veräussern, der so erfolgreich unknackbare Kommunikationstechnologie für Regierungen anbot.

Der Druck ausländischer Geheimdienste soll ebenfalls zugenommen haben.

Nach Angaben der Republik griff jedoch das Bundesamt für Rüstung ein und forderte, dass hochsensible Verschlüsselungsgeräte nicht an ausländische Kunden verkauft werden dürften.

Die Bundesregierung sah die Staatssicherheit in Gefahr.

Ein neuer Besitzer müsse aus der Schweiz kommen und solle mit Schweizer Kapital finanziert werden, schreibt die Republik.

Seit den 1950er Jahren gab es immer wieder Versuche von US-Dienststellen und auch des BND, auf das Land zuzugehen und es zu übernehmen.

Bekanntlich kontrollierten der CIA und der deutsche Bundesnachrichtendienst die Crypto AG (der BND ist 1993 ausgeschieden) und ihre kryptographischen Algorithmen von den 1970er Jahren bis zum Ende.

Daher soll die Gretag AG den Geheimdiensten ein Dorn im Auge gewesen sein, denn sie war Berichten zufolge nicht nur ein wichtiger Konkurrent der Crypto AG, sondern angeblich konnte kaum ein Datenverkehr, der über Gretag-Geräte lief, von den Diensten entschlüsselt werden.

Laut Cryptomuseum waren es nur sieben Prozent des Datenflusses, und der Rest war “unlesbar”, nicht entschlüsselbar.

Dies galt nicht für die Verschlüsselungsgeräte des Konkurrenten von Gretag, Crypto AG, insbesondere als Crypto/CIA/BND die manipulierten Geräte in Länder lieferte, um sie auszuspionieren.

Verschiedene politische Behörden wurden alarmiert.

Hans-Peter Portmann, Zürcher FDP-Nationalrat und langjähriger Bankier, bezeichnet dies im SRF als eine neue Dimension in der Geheimdienstaffäre: “Es gibt sie.

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