Inkognito-Anwendung: Bundesregierung unterstützt “stillen Notruf” für Frauen mit 1,7 Millionen Euro.

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Versteckte App mit Notruf- und Tagebuchfunktion
Mittel des Widerstands
Hohe Zahl nicht gemeldeter Fälle von Gewalt in der Partnerschaft

Nach einer Statistik des Bundeskriminalamtes (BKA) starb 2019 an fast jedem dritten Tag eine Frau an den Folgen einer Gewalttat ihres Partners oder Ex-Partners.

Grund genug für das Bundesjustizministerium, mit der Arbeit an einer “Inkognito-App” zu beginnen und sie später finanziell mit insgesamt 1.

698.

000 Euro zwischen 2021 und 2023 zu betreiben.

Die mobile App soll Frauen helfen, die von häuslicher Gewalt bedroht sind.

Das Bundesjustizministerium unterstützt die Entwicklung einer “Tarn-App” für Frauen, die von häuslicher Gewalt bedroht sind.

Die Anwendung soll außerdem einen Leitfaden für die zuständigen Behörden sowie soziale, rechtliche und psychologische Informationen bieten.

Als erstes Testgebiet ist die Region Hannover geplant.

Die Idee stammt von Stefanie Knaab, die als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Brandenburgischen Institut für Gesellschaft und Sicherheit (BIGS) arbeitet und “Gewaltfreie Zukunft” leitet.

Sie gewann mit ihrem Projekt bei einem Hackathonlauf der Bundesregierung und wurde bereits im Programm “Solution Enabler” für besonders förderungswürdige Initiativen unterstützt.

Das App-Projekt wird von dem Mitte Juni in Berlin gegründeten Verein “Gewaltfrei in die Zukunft” zusammen mit Partnern wie dem Niedersächsischen Landeskriminalamt entwickelt.

Es soll auf dem Smartphone nicht leicht zu erkennen sein und in akuten Gefahrensituationen einen stillen Notruf ermöglichen.

Betroffene Frauen sollen demnach auch ein verstecktes Gewalttagebuch führen und Übergriffe in einem sicheren Protokoll dokumentieren können, das vor Gericht Bestand hat.

“Die Korona-Zeit hat die Situation möglicherweise noch verschärft, weil sich das Leben in die Wohnung verlagert hat”, vermutet Lambrecht.

Gewalttaten werden oft aus Scham oder Angst nicht gemeldet.

Der Sozialdemokrat betonte: “Deshalb wollen wir die Entwicklung einer versteckten Smartphone-App fördern”, die den Betroffenen ein Mittel zum Widerstand bieten könnte.

“Mit der Camouflage-App geben wir den Betroffenen von häuslicher Gewalt ein neues niederschwelliges Angebot, sich aus Gewaltsituationen selbstständig zu befreien”, sagte Knaab am Freitag nach einem Treffen mit Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) zuversichtlich.

“Die eigene Wohnung kann für viele Frauen ein Ort des Grauens sein”, erklärte die Ressortleiterin.

“Vielen fällt es sehr schwer, Alarm zu schlagen und Hilfe zu suchen, um sich und oft auch ihre eigenen Kinder zu schützen.

Der Zuschuss ist im Haushaltsentwurf fuer den Bundeshaushalt 2021 enthalten, dem der Haushaltsausschuss des Bundestages in der Nacht zum Freitag zugestimmt hat.

Dem Entwurf zufolge soll der Bund im kommenden Jahr 498,62 Milliarden Euro ausgeben, 85,22 Milliarden mehr als geplant.

Die Neuverschuldung soll auf 179,82 Milliarden Euro steigen.

Aus den Zahlen des BKA geht weiterhin hervor, dass im vergangenen Jahr durchschnittlich alle 45 Minuten eine Frau von ihrem Lebenspartner oder Ex-Partner verletzt oder angegriffen wurde.

Im Jahr 2019 waren es insgesamt mehr als 141.

000 Opfer von vollendeten und versuchten Straftaten partnerschaftlicher Gewalt, 0,7 Prozent mehr als im Jahr 2018.

Das Dunkelfeld gilt als groß, da viele Straftaten nicht gemeldet werden und heimlich im eigenen Heim begangen werden.

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