E-Mobilität: Netzbetreiber wollen den Ladevorgang für Stunden unterbrechen können.

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Grundsätzlich besteht hierzulande ein breiter Konsens von Stromnetzbetreibern, Verbraucherschützern, Beratern und Politikern, dass Elektromobilität und Wärmepumpen verstärkt auf den Markt gebracht werden sollten.

Wie dies in Zeiten hoher Parallelnachfrage eine Überlastung der bis zu den Kunden reichenden Verteilnetze vermeiden soll, ist jedoch höchst umstritten.

Unterbrechung und Ausbau
Zeitdruck für Energieversorger
Geschwindigkeitsbegrenzung für den Stromverkehr

Das Wirtschaftsministerium unterstützt auch das Modell der “Spitzenglättung”, nach dem der Stromverbrauch für bis zu zwei Stunden begrenzt werden könnte.

Die Stromversorger drängen hier auf die sogenannte Spitzenlastglättung.

Sie sieht vor, dass zum Beispiel Elektroautos oder Hausspeichersysteme vor allem in den frühen Abendstunden weniger Strom aus dem Netz ziehen können und dass zumindest für den unbegrenzten Verbrauch hohe Gebühren zu zahlen sind.

Es besteht auch die Möglichkeit, das Laden eines Elektrofahrzeugs für eineinhalb bis zwei Stunden zu unterbrechen.

Eine Herausforderung für die Betreiber von Niederspannungsnetzen sieht Wolfgang Zander vom Büro für Energiewirtschaft und Technische Planung (BET) auch im Hochlauf von E-Mobilität und Wärmepumpen.

Aus diesem Grund hat das Beratungsunternehmen das Modell der Spitzenlastglättung mitentwickelt.

Die Betreiber blickten recht weit in die Zukunft und sahen daher Handlungsbedarf, bestätigte Sebastian Winter vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW).

Die Entwicklung der E-Mobilität könne sehr schnell voranschreiten.

Mit zwei Elektrofahrzeugen in einer Straße sei die Versorgung kein Problem, aber man könne schnell ein Gebiet erreichen, in dem “alles gleichzeitig passiert” und viele Besitzer ihre Autos aufladen wollen.

Hier müsse die Zuverlässigkeit “auch für die Netzbetreiber gelten”.

“Bei der Elektromobilität tut sich viel”, sagte Mathias Gabel vom Verteilnetzbetreiber NetzeBW am Mittwoch bei einem Online-Runden Tisch von Ingrid Nestle, Mitglied der Grünen Bundestagsfraktion, zur Integration neuer flexibler Verbraucher in den Strommarkt.

Ziel sei es, “die Komplexität so weit wie möglich zu reduzieren”.

Die Branche braucht deshalb ein Instrument zur Optimierung des Angebots.

Dazu müsse eine Spitzenlastglättung gesetzlich vorgeschrieben werden, forderte Gabel.

Eine solche Vorgabe würde sich auch verzögert auswirken, so dass die Politik jetzt handeln müsse.

“Wir wollen nicht zwei Stunden bundesweit abschotten”, versicherte er.

Ausserdem wuerden die Netze trotz einer solchen Option weiter ausgebaut.

Auch Christoph Scholten, Leiter der Abteilung Digitalisierung der Energiewende im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi), sieht nur Vorteile in der Spitzenglättung.

Das Modell sei offen für die Zukunft, sofort umsetzbar und schütze die traditionellen Verbraucher vor zusätzlichen Kosten.

Auch ein Pilotprojekt in Baden-Württemberg habe gezeigt, dass “die Menschen nach kurzer Zeit entspannt waren”.

Sie stellten fest, dass “nicht jeden Tag zwei Stunden weg sind” und dass der “Komfortverlust” nicht so groß war.

Ein intelligentes Messsystem, alias digitaler Stromzähler und Smart Meter Gateway, fungiert als sichere Datendrehscheibe und für die Interoperabilität.

Dies ist der “erste Schritt zum Aufbau eines digitalisierten Stromversorgungssystems”.

Da die Geräte erst programmiert und zertifiziert werden müssen, ist dafür nun eine gesetzliche Grundlage notwendig.

“Wir werden die Standardkunden in Ruhe lassen”, versprach der Experte.

Für Kunden mit einer “flexiblen Verbrauchseinrichtung” und einem Energiemanagementsystem hat der Netzbetreiber jedoch das Recht, den Verbrauch bei Engpässen zu begrenzen.

Das sei planbar und spare Netzkosten, griff Zander die Ursache der Unterbrechung auf.

Typischerweise könnten drei bis vier Mal so viele Verbrauchseinrichtungen in das Netz integriert werden wie bisher.

Das BMWi will deshalb ein solch fein dosiertes “Verkehrsleitsystem” in Paragraph 14a des Energiewirtschaftsgesetzes verankern und noch in diesem Jahr einen Entwurf dafür vorlegen, berichtete Scholten.

Auch die Bundesnetzagentur warnte: “Wir haben nicht mehr viel Zeit.

“Die Verteilnetze haben bisher noch keine Steuerungsmöglichkeiten gehabt”, erklärte sein Kollege aus dem Ministerium, Adrian Loets.

Das soll nun geändert werden.

Das Ministerium will den Verkehr in den Stromnetzen am Laufen halten, “indem alle etwas langsamer fahren”.

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