Der buchstäbliche Volkswagen: Ein Porträt der Marke Škoda.

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Es gibt keine Geschichte der Automarke Škoda.

Es ist die Geschichte zweier Unternehmen, die durch Kriege und Kommunismus miteinander verflochten sind.

Laurin & Klement auf der einen Seite, der Industriekonzern Škoda – immer noch völlig autofrei – auf der anderen Seite.

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Laurin und Klement werden Škoda

Die Automarke Škoda entstand 1925, nachdem Laurin & Klement, ein Autohersteller seit 1905, vom Industriekonzern Škoda geschluckt worden war.

Das Ergebnis ist ein Foto, auf dem Hitler, Goebbels und Karel Hrdlicka, der damalige Generaldirektor von Škoda, zu sehen sind.

Von da an schmückte das Bild den stolzen Kopf des Unternehmens.

Doch im selben Jahr ging der in Pilsen ansässige Škoda-Konzern in den “Reichswerken Hermann Göring” auf.

Die Gestapo ließ Hrdlicka frei – und wahrscheinlich lebend – weil sie das Foto bei einer Hausdurchsuchung entdeckte.

Er wurde aber dennoch seines Postens enthoben.

Mit der Geschichte einer Messe lässt sich mehr über Škoda erzählen als durch das Herumschmeißen in den Archiven.

Es war Februar 1939, als sich Škoda auf der Berliner Automobilausstellung präsentierte.

Adolf Hitler und Joseph Goebbels nähern sich dem Stand.

Ein Ingenieur der Marke bahnt sich seinen Weg durch das Volk, steht vor den zukünftigen Kriegsverbrechern und macht den Hitlergruß.

Die Nazis fühlen sich sehr wohl und lassen sich die Fahrzeuge etwa 15 Minuten lang vorführen und erklären.

Kurzerhand gründen er und sein Freund Václav Laurin eine eigene Fahrradmarke.

Laurin & Klement wird geboren.

Ihr Fahrrad heißt “Slavia”.

Ein Seitenhieb gegen die Germania, die in ihren Augen mangelhaft ist.

Zur gleichen Zeit veröffentlicht Klement ein Buch für “Radfahrer und solche, die es werden wollen” und schreibt darin: “Wer sein Geld ins Ausland schickt für etwas, das er auch im eigenen Land bekommt, begeht eine Sünde gegen die Wirtschaft seines Landes.

“Eine europäische Version der “Amerika zuerst”-Haltung, die zu zwei Weltkriegen führen wird.

Ärgerlich: Die Kette springt immer wieder heraus.

Also bittet er um Reparatur.

Endlich hat er einen Garantieschein.

Der glühende Patriot schreibt seinen Brief in seiner Muttersprache – Tschechisch.

Die Antwort lässt nicht lange auf sich warten: “Wenn Sie wollen, dass wir Ihnen antworten, möchten wir Ihre Nachricht in einer Sprache, die wir verstehen.

Aber wie hatte sich ein tschechisches Unternehmen zu Gunsten des Regimes hocharbeiten können? Die Geschichte seines Aufstiegs beginnt 1894 in Mladá Boleslav – dem Ort, der heute ein Synonym für die Marke Škoda ist.

Václav Klement ist ein begeisterter Radfahrer.

Er erweiterte sogar das Sortiment seiner Buchhandlung um Fahrradschläuche, Lampen und Zubehör.

Er kauft eine Germania IV von “Seidel & Naumann” aus Dresden.

Damals absolute Spitzenklasse.

Nach eigener Aussage haben Laurin & Klement den Zenit erreicht, weshalb sie sich entscheiden, fortan Autos zu bauen.

1906 zeigen sie der Öffentlichkeit ihren ersten Wurf.

Der Voiturette hatte sieben PS, war deutlich billiger als Modelle von Benz und ab 1908 als B-Voiturette im Rennsport konkurrenzfähig.

Doch um nennenswerte Stückzahlen zu erreichen, brauchen junge Unternehmen noch Geld.

Um zu gewinnen, müssen sie klüger sein.

Und das ist Podsedníček.

Er entdeckt eine Schneiderei, in der er einen speziellen Schlauch nähen lässt, mit dem er seinen Reifen präpariert.

Er kann die gesamte Rennstrecke über 1200 Kilometer ohne Reifenschaden fahren und gewinnen.

Weitere Rennsiege folgen – mal mit kleineren, mal mit größeren Heldensagen – und die Marke Laurin & Klement boomt.

Sogar “Seidel & Naumann” fragen nach einer Lizenz – die Firma, deren Kundenservice Klement von vornherein aufgeschoben hatte.

Doch so weit ist es noch nicht.

Zunächst einmal sind Laurin & Klement auf dem Fahrradmarkt erfolgreich.

Bis Klement das erste Motorrad seines Lebens sieht und 1898 mit dem Bau eines eigenen beginnt.

Im Jahr 1901 heuert das Duo den Fahrer Narcis Podsedníček an, um für sie am Rennen Paris-Berlin teilzunehmen.

Die tschechischen Geschäftsleute sind Bettler im Vergleich zur Konkurrenz.

Klement muss sich mit dem Fahrer ein Einzelzimmer teilen und es abwechselnd nutzen.

Dann hat der Erste Weltkrieg der Geschichte den Stecker gezogen, und vorerst gibt es keine Autoproduktion mehr.

Es gibt auch Schützengräben in der Belegschaft von Laurin & Klement.

Einige sind auf der Seite von Österreich-Ungarn, andere schließen sich den Alliierten an.

Von nun an muss die Fabrik für die Rüstung genutzt werden.

Laurin & Klement wird in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.

Verschiedene Adelige, die österreichische Länderbank und die tschechische Zivnobanka werden Eigentümer, die beiden Wenzel sind von nun an die Direktoren ihres selbst gegründeten Unternehmens.

Es geht steil bergauf.

Von Anfang an konzentriert sich das Unternehmen auf die Serienproduktion nach amerikanischem Vorbild.

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