Hoher Blutdruck in jungen Jahren: Gefahr für Nerven und Gedächtnis

0

Auch bei jüngeren Menschen sollte ein erhöhter Blutdruck so früh wie möglich erkannt und behandelt werden – nicht nur dem Herzen, sondern auch dem Gehirn zuliebe. Die Dringlichkeit dieses Vorschlags wird durch neue Erkenntnisse aus einer Langzeitanalyse unterstrichen. Neben den kognitiven Fähigkeiten kann auch die Gehfähigkeit beeinträchtigt werden.

Auch junge Erwachsene sollten ihren Blutdruck regelmäßig selbst messen oder von ihrem Hausarzt oder Apotheker bestimmen lassen. Arterielle Hypertonie, also ein stetiger Anstieg des systolischen Blutdrucks auf über 140 mmHg oder des diastolischen Blutdrucks auf über 90 mmHg, kann nicht nur zu Schäden an Blutgefäßen und Organen, sondern auch zu einer verminderten Funktionsfähigkeit des Gehirns führen.

Darauf weisen die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) und die Deutsche Hochdruckliga (DHL) in einer aktuellen Stellungnahme hin, die sich auf die neuesten Ergebnisse einer US-Studie bezieht. Das Gehirn und das Gedächtnis sind stärker betroffen als bisher angenommen. In der epidemiologischen Langzeitstudie CARDIA (Coronary Artery Risk Growth in Young Adults), auf die sich DGIM und DHL berufen, wurden zwischen 1985 und 1986 mehr als 5.000 Teilnehmer im Alter zwischen 18 und 30 Jahren erfasst. Sie haben ihren Gesundheitszustand über 30 Jahre lang beobachtet. Auch die Werte des systolischen und diastolischen Blutdrucks wurden ermittelt. 191 Teilnehmer untersuchten die Forscher außerdem auf kognitive Fähigkeiten wie Gedächtnis und Aufmerksamkeit sowie auf Gehgeschwindigkeit, Schrittlänge und Gangvariabilität. Bei 144 Studienteilnehmern wurden zudem MRT-Scans des Gehirns durchgeführt.

Demnach neigten Probanden mit einer seit jungen Jahren bestehenden arteriellen Hypertonie im mittleren Lebensalter nicht nur zu einer langsameren Gehgeschwindigkeit oder kürzeren Schrittlänge. Auch im Bereich der Exekutive und des Gedächtnisses zeigten sie unter anderem schwächere geistige Funktionen.

Die Autoren der Studie führen dies auf eine Schädigung der weißen Substanz des zentralen Nervensystems zurück, die vor allem aus Leitungsbahnen und Nervenfasern besteht. Diese werden auch als Hyperintensitäten der weißen Substanz (WMH) bezeichnet, die als weiße Flecken vor allem in MRT-Scans von Betroffenen mit ausgeprägten Gehbehinderungen erscheinen.

Die Studie zeigt, dass Bluthochdruck, der im frühen Erwachsenenalter beginnt und über Jahre hinweg unbehandelt bleibt, zu schweren Schäden an den neuronalen Verbindungen des Gehirns führt”, warnt Professor Dr. Sebastian M. Schellong, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM).

Share.

Comments are closed.