Experten zur Übermenge in Impfstoff-Fläschchen: Aus 5 mach 6? Vorerst keine gute Idee!

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KV-Chef Plassmann: Es ist wichtig, mehr zu tun

Seit Sonntag laufen in Deutschland die Impfungen gegen Coronaviren. Die Firmen Biontech und Pfizer hatten am Montagmorgen den ersten Kontakt mit dem Impfstoff. Die Impfung in Hamburg begann mit einer Sp(r)itzen-Überraschung: “Man kann sechs Dosen aus den Impfstoff-Fläschchen nehmen”, schlug Walter Plassmann, Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hamburg, vor. Fünf Impfstoffdosen pro Ampulle verspricht der Hersteller Biontech. Diese Methode halten Experten jedoch nicht für praktikabel – zumindest nicht zu Beginn der Impfungen und wenn, dann nur unter idealen Bedingungen.

Hygieniker Zinn rät von der Improvisation ab und setzt auf den Impfstoff Moderna

Schließlich wird bundesweit gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 geimpft, das trotz aller Bemühungen seit Monaten unser Leben erheblich einschränkt und bereits zu mehreren Erkrankungen und Todesfällen beigetragen hat. Doch auch die Impfstoffe von Biontech und Pfizer sind Mangelware. Walter Plassmann, Präsident der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hamburg, ist der Meinung, dass die jetzt verfügbaren fünf Impfstoffdosen pro Ampulle auch auf sechs erhöht werden sollten.

Dr. Georg-Christian Zinn, Direktor des Hygienezentrums Bioscientia, rät allerdings davon ab zu improvisieren: “Wir hoffen tatsächlich eher darauf, dass wir jetzt in Kürze, der Impfstoff der Firma Moderna soll ja am 6. Januar zugelassen werden, mehr richtige Impfstoffdosen bekommen”, sagt er gegenüber . “Also es sollte nicht versucht werden zu improvisieren, jetzt am Anfang.”

Es gibt fast immer einen kleinen Verlust

Und Medizinexperte Dr. Christoph Specht erklärt bei n-tv, warum es in Impfstofffläschchen immer eine Übermenge gibt. “Sie müssen ja bedenken, dass der Impfstoff in einer Spritze aufgezogen werden muss”, so Specht im Interview mit dem Nachrichtensender. “Da gibt es immer einen kleinen Verlust, und wenn jetzt wirklich nur exakt fünf Impfdosen drin wären, dann könnte das auch schon mal knapp werden.” Wenn sehr exakt, das heißt wirklich extrem exakt gearbeitet werde, dann könnten auch sechs Impfdosen rauskommen, so der Medizinexperte, aber das sei schwierig. “Eine Impfdosis hat nur 0,3 ml, also das ist schon sehr fein und eng bemessen.”

Auch eine Frage der Haftung

Auch ein Zusammenkippen des Impfstoffs komme nicht infrage. “Der Hersteller gibt vor, wieviel Impfdosen drin sind”, so Specht, “da der Impfstoff neu ist, will man sich natürlich gerade am Anfang auch unbedingt daran halten.” Auch wegen möglicher rechtlicher Haftungsfragen müsse man sich daran halten, was der Hersteller sicher verspricht, bekräftigt Dr. Kerstin Kemmritz, Präsidentin Apothekerkammer Berlin gegenüber . “Und dann muss man sehen, wie gut die tägliche Praxis funktioniert, bevor man da etwas ändern sollte”, sagt Kemmritz. Die Sicherheit bei der Impfung gehe definitiv vor Schnelligkeit und Kosteneinsparungen.

Mit steigender Erfahrung ist vielleicht mehr drin

Allerdings ist denkbar, dass dieses Mehr mit mehr Erfahrung tatsächlich zu einem späteren Zeitpunkt aus den Fläschchen herausgeholt werden kann. “Wir sind gerade in der Situation, dass wir es in unglaublicher Geschwindigkeit geschafft haben, die Zentren aufzubauen, wir sammeln gerade Erfahrungen: Wie lässt sich arbeiten, welcher Druck entsteht? Das sind alles Faktoren”, sagt Kemmritz. Der Inhalt reiche zwar eben theoretisch für sechs Dosen, das allerdings nur unter besten Voraussetzungen. “Bei erfahrenen Teams, die unter Idealbedingungen arbeiten, kann man den Überschuss vielleicht nutzen. Aber zunächst muss man sehen, wie gut die Praxis funktioniert.”

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