Experten warnen: Alkoholkonsum führt zu einer Verschlechterung der Gehirngesundheit von der Wiege bis zur Bahre

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Maßnahmen zur Schadensverhütung müssen langfristig angelegt sein, sagen Experten.

Die Beweise für die schädlichen Auswirkungen von Alkohol auf die Gesundheit des Gehirns sind überzeugend, aber jetzt haben Experten drei Schlüsselzeiträume im Leben identifiziert, in denen die Auswirkungen von Alkohol wahrscheinlich am größten sind.
In der Zeitschrift The BMJ vom Dezember 2020 schreiben Forscher aus Australien und Großbritannien, dass es drei Perioden mit dynamischen Gehirnveränderungen gibt, die besonders empfindlich auf die schädlichen Auswirkungen von Alkohol reagieren: die Schwangerschaft (von der Empfängnis bis zur Geburt), das spätere Jugendalter (15-19 Jahre) und das ältere Erwachsenenalter (über 65 Jahre).
Sie warnen davor, dass diese Schlüsselperioden “die Empfindlichkeit gegenüber den Auswirkungen von Umwelteinflüssen wie Alkohol erhöhen könnten” und sagen, dass Maßnahmen zur Schadensverhütung “langfristig angelegt sein müssen”.
Weltweit konsumieren etwa 10 % der schwangeren Frauen Alkohol, wobei die Raten in den europäischen Ländern wesentlich höher sind als im weltweiten Durchschnitt, schreiben sie.
Starker Alkoholkonsum während der Schwangerschaft kann eine fetale Alkoholspektrumstörung verursachen, die mit einer weit verbreiteten Verringerung des Gehirnvolumens und kognitiven Beeinträchtigungen einhergeht. Aber die Daten deuten darauf hin, dass selbst geringer oder mäßiger Alkoholkonsum während der Schwangerschaft signifikant mit schlechteren psychologischen und verhaltensbezogenen Ergebnissen bei den Nachkommen verbunden ist.
In Bezug auf die Adoleszenz berichten mehr als 20 % der 15- bis 19-Jährigen in Europa und anderen Ländern mit hohem Einkommen von zumindest gelegentlichem Binge-Drinking (definiert als 60 g Ethanol bei einer einzigen Gelegenheit), fügen sie hinzu.
Studien deuten darauf hin, dass der Übergang zum Rauschtrinken in der Jugend mit einem verringerten Gehirnvolumen, einer schlechteren Entwicklung der weißen Substanz (die für eine effiziente Gehirnfunktion entscheidend ist) und kleinen bis mäßigen Defiziten bei einer Reihe von kognitiven Funktionen verbunden ist.
Und bei älteren Menschen wurde kürzlich gezeigt, dass Alkoholkonsumstörungen im Vergleich zu anderen etablierten Risikofaktoren wie Bluthochdruck und Rauchen einer der stärksten modifizierbaren Risikofaktoren für alle Arten von Demenz (insbesondere für den frühen Beginn) sind.
Obwohl Alkoholkonsumstörungen bei älteren Erwachsenen relativ selten sind, weisen die Autoren darauf hin, dass selbst mäßiger Alkoholkonsum nachweislich mit einem kleinen, aber signifikanten Verlust des Gehirnvolumens in der Lebensmitte verbunden ist, obwohl weitere Studien erforderlich sind, um zu testen, ob sich diese strukturellen Veränderungen in funktionelle Beeinträchtigungen übertragen.
Außerdem können demografische Trends die Auswirkungen des Alkoholkonsums auf die Gesundheit des Gehirns verstärken, schreiben sie.

Zum Beispiel ist die Wahrscheinlichkeit, dass Frauen Alkohol trinken und alkoholbedingte Schäden erleiden, jetzt genauso hoch wie bei Männern, und es wird prognostiziert, dass der weltweite Konsum in den nächsten zehn Jahren weiter steigen wird.
Die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf den Alkoholkonsum und die damit verbundenen Schäden sind unklar, aber der Alkoholkonsum nahm langfristig nach anderen großen Krisen im Bereich der öffentlichen Gesundheit zu, fügen sie hinzu.
Daher fordern sie einen integrierten Ansatz zur Schadensbegrenzung in allen Altersgruppen.
“Populationsbasierte Interventionen wie Richtlinien für risikoarmen Alkoholkonsum, Alkoholpreispolitik und niedrigere Grenzwerte für Alkohol am Steuer müssen von der Entwicklung von Ausbildungs- und Betreuungspfaden begleitet werden, die das menschliche Gehirn während des gesamten Lebens als Risikofaktor berücksichtigen”, schließen sie.
Referenz: “Lifetime perspective on alcohol and brain health” von Louise Mewton, Briana Lees und Rahul Tony Rao, 4. Dezember 2020, BMJ.DOI: 10.1136/bmj.m4691

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