Der “Tatort” zum 50. Jahrestag zeigt, wozu der Sonntagskrimi fähig ist.

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Der “Tatort” wird 50 Jahre alt, aber das wird nicht mit einer Geburtstagsfeier gefeiert.

Jeder kann eine Party feiern.

Die geladenen Gäste, die Zuschauer, mit einer mitreißenden Tragödie zu packen, sie etwas Erschütterndes sehen und intensiv spüren zu lassen – das muss man sich erst einmal zutrauen.

Nicht jeder kann das tun.

Nicht die unkritischen Jubilarinnen und Jubilar, die Popstars haben, sondern eher Fans vom Typ der Fussballfans.

Diejenigen, die auch richtig wütend werden, wenn ihr Verein versagt.

Weil sie ihn so gut kennen, feuern sie ihn schon so lange an.

Weil sie hohe Erwartungen haben.

Der “Tatort” wagt es, und die Regisseure Dominik Graf und Pia Strietmann können es schaffen.

“In der Familie” zeigt, wozu der “Tatort” fähig ist – auch, weil er selbst eine Art Familienangelegenheit ist: das Produkt einer Senderfamilie, eines Filmteams und eines – sagen wir es pathetisch zum Geburtstag: ein Geschenk an eine eingeschworene Fangemeinde.

Für all diese ist “In der Familie” gedacht.

Denn Familien mit starken Bindungen können viel einstecken.

Im Crossover “Tatort” ermittelt das Dortmunder Team unter der Leitung von Dominik Graf als erstes.

Das Team bekommt Besuch von Kollegen aus Muenchen – am kommenden Sonntag wird Direktorin Pia Strietmann den Fall nach Bayern bringen.

Ein Geschenk an alle “Tatort”-Fans
Alles für die “Familie
Untersuchungen im Flair einer dysfunktionalen Familie
Ein Drama von Shakespeares Ausmass
“Tatort”-Jubiläum: Die größten Skandale seit 50 Jahren

Auf den ersten Blick erzählt “In der Familie” die Geschichte von Luca und Juliane Modica (Beniamino Brogi und Antje Traue).

Das Paar betreibt ein italienisches Restaurant in Dortmund und freut sich schon jetzt auf die Freiheit, die sie erwartet, wenn ihre 17-jährige Tochter Sofia in zwei Jahren aus dem Haus ist.

Doch diesmal bringt der Lastwagen auch Pippo Mauro (Emiliano de Martino) mit.

Pippo hat in München einen Mann erstochen, und nun braucht er eine Unterkunft, schließlich gehört auch er zur Familie.

Die Arbeit ist anstrengend, aber die schöne Wohnung, das angenehme Leben, das können sie sich nur leisten, weil das Restaurant der ‘Ndrangheta, der kalabrischen Mafia, als Drogenübergabestelle dient und Luca dafür bezahlt wird.

Er kommt aus Süditalien, er ist Teil der ‘Familie’.

Einmal im Monat parkt auf dem Hof ein Lastwagen mit Kokain in Tomatendosen, und einmal im Monat wird ein Scheck bezahlt.

Für die Familie Modica bedeutet er nichts Gutes, das sieht man sofort.

Aber das Drehbuch von Bernd Lange ist so dicht, die Regie von Dominik Graf so konzentriert, das Spiel aller Beteiligten so intensiv, dass man großes Unglück kommen sieht – und nichts in der Welt wegschauen möchte.

Pippo ist der Typus des hektischen Frettchens, scheinbar harmlos – aber getrieben von Gefühlskälte und Gier nach Anerkennung und deshalb besonders gefährlich.

Pippo spornt Luca an: Was für eine erbärmliche Pizzeria ist das doch; mit der ‘Ndrangheta hinter einem könnte man so viel mehr in Gang bringen, so viel mehr Angst, so viel mehr Geld.

Langsam fängt Luca Feuer und Tochter Sofia (Emma Preisendanz) findet Pippo sowieso cool.

Dann beginnt Juliana zu verstehen, was es bedeutet, die ‘Ndrangheta hinter sich zu haben.

Man muss sich für eine Familie entscheiden, aber man hat nicht die Freiheit zu wählen.

Juliane und Luca nehmen sie trotzdem, jeder auf seine Weise, und schaffen damit genau die Eskalation, auf die das Team von Kommissar Faber gewartet hat.

Als Nora Dalay (Aylin Tezel) bemerkt, dass Juliane von Zweifeln geplagt zu sein scheint, und der Kommissar vorschlägt, das Vertrauen des potenziellen Schlüsselzeugen in der gemeinsamen Sporthalle zu gewinnen, stimmt Peter Faber (Jörg Hartmann) zu.

Denn die Pizzeria hat schon seit längerer Zeit ein Auge darauf geworfen.

Aber Herumsitzen und Beobachten ist nicht gerade Fabers Stärke.

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