Ich habe lieber eine Tochter, die Hure ist, als einen Journalisten zum Sohn. Über den Witz lachen bulgarische Journalisten gerne, auch diese, die sich deswegen eigentlich schämen müssten. Denn die Hurenjournalistik ist hier so oft verbreitet, dass der Vater im Witz doppelt Pech hätte, egal ob mit Tochter oder Sohn. Den Hurenjournalismus gibt es bei einigen Zeitungen fast als offizielles Ressort. Man braucht einfach eine aufgeschlossene Praktikantin, die nichts dagegen hat, mit dem einen oder anderen ins Bett zu gehen, um an Informationen zu kommen und die dann gedruckt oder ausgestrahlt werden. Für den Leser/Hörer/Zuschauer müsste dies eigentlich egal sein, Hauptsache, es stimmt, was in der Zeitung steht. Doch Bettgeschichten sind oft nicht so einfach und objektiv sind sie nun auf keinen Fall. Denn der glückliche Genießer der jungen Praktikantin kapiert irgendwann, was los ist und dann hat sie die Wahl – zu einem anderen zu gehen, egal ob er Politiker, Geschäftsmann, oder Popstar ist. Oder dem ersten treu zu bleiben und das nicht nur im Bett. Der Hurenjournalismus macht wenigstens den Teilnehmenden Spaß und manchmal liefert er sogar ein gutes und wahres Produkt. Im Unterschied zum Fauljournalismus, dessen Synonym ruhig Wikipediajournalismus heißen könnte. So typisch einheimisch ist er nicht, auch Redakteure in anderen Ländern nehmen gern Wikipedia als eine praktische copy-paste Quelle und Wikipediaartikel-Verfasser schreiben wiederum bei Medien ab. Erinnern Sie sich noch, als damals keiner wusste, wie der neue Wirtschaftsminister Deutschlands in Wirklichkeit hieß. Fast überall wurde er als Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jakob Philipp Wilhelm Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg vorgestellt. Dann stellte sich irgendwann heraus, dass “Wilhelm” ein Name zu viel ist.