Boom der betrügerischen Pleiten belastet die bulgarischen Banken
Die Tilgung der Verpflichtungen gilt grundsätzlich als ein verlässlicher Wirtschaftsindikator, der mehr über die tatsächliche Lage eines Staates sagt, als ein Haufen von Statistiken. So auch in Bulgarien: Immer mehr Firmen tilgen ihre Bankkredite nicht, meldete die Nationalbank BNB Anfang Juni. In den ersten 4 Monaten des Jahres hat sich die Zahl der nicht getilgten Firmenschulden im Vergleich zum selben Zeitraum 2009 verdoppelt. Von Januar bis Ende April haben die bulgarischen Banken fast 240 Mio. Lewa für Wertminderungen im Kreditgeschäft ausgegeben. Mit anderen Worten haben die Bankinstitute außerplanmäßig ihre Darlehensforderungen um diesen Beitrag abgeschrieben. Ein Jahr zuvor belief sich die Summe auf 117 Mio. Lewa, berichtet die BNB. Die Nationalbank rechnet mit insgesamt 1,2 Mrd. Lewa Wertminderungsabschreibungen im bulgarischen Banksektor, die durch nicht zurückgezahlte Firmenkredite entstanden sind. In der Branche besteht Einmütigkeit darüber, dass die „faulen Darlehen“ die Wirtschaftslage sehr genau verdeutlichen. Sie sind eine Widerspiegelung der Konjunktur, kommentierten einige Banker der bulgarischen Presse gegenüber. Ihnen zufolge seien die ungetilgten Kredite einerseits auf die Krise zurückzuführen, andererseits resultierten sie aus den sogenannten „Scheinbankrotten“, die sich in jüngster Zeit im Land mehrten. In 2009 forderte der Bankenverband ABB eine Gesetzesänderung im Handelsgesetzbuch, um eine effektive Forderungseinziehung zu erreichen. Bisher blieb der Vorschlag jedoch nur auf dem Papier. Andere Branchenvertreter erwarten sogar Zinserhöhungen bei den Krediten, falls keine Maßnahmen gegen die Zunahme maroder Schulden getroffen werden. Dieses Risiko müsste auch im Kreditpreis einkalkuliert werden, zitierte die Zeitung „Dnevnik“ aus Bankenkreisen.