Borisov: „Das nächste Mal, wenn Du deine Freundinnen aus Berlin nach Rom mitbringst, kauft ihr euch „Versace“ und „Armani“
Die bulgarische Gemeinschaft in Berlin traf sich mit dem Ministerpräsident
Betty Ganeva, Berlin
Der Ministerpräsident Boyko Borisov verzauberte die bulgarische Gemeinschaft mit der Gelassenheit seines Auftritts beim Treffen in der bulgarischen Botschaft in Berlin. Etwa anderthalb Stunden stellten ihm die Einwanderer allerlei Fragen – von seinem Tagesablauf bis hin zur Gründung der Universität Pernik , die er duzend und eigenartig ungezwungen zu beantworten pflegte. Die in Deutschland lebenden Bulgaren gaben dem Premierminister zu verstehen, dass sie über die Probleme in dem Heimatland Bescheid wissen. Die erste Kontroverse Borisovs war mit einer genervten Bulgarin, die davon überzeugt zu sein schien, dass „Toplofikatsia Sofia“ ihre Kunden hinsichtlich der Rechnungsbeträge betrügt. Er erklärte ihr, sie würde keine Probleme mit „Toplofikatsya“ haben, wenn sie für den Heizungsverbrauch auch zahlen würde. „Ich zahl´ eben meine Rechnungnen und es ist alles Paletti“, versicherte der Premierminister. Anschließend erzählte er, wie er damals, als er in Bankya gelebt hatte, die Hauptstädtler um ihre zentralisierte Heizung beneidet habe. Dann kam die Verwaltungsreform auf die Tagesordnung. Darauf setzte der Premierminister auseinander, dass dieser Prozess schon im Gange sei, jedoch sich als schwierig erweisen dürfte, da die erwähnte Verwaltung, die auf das „copy-face-Prinzip“ zu arbeiten gewohnt sei, sich nur schwer ändern ließe. In den nächsten vier Jahren wird der Ministerpräsident reale Chancen haben können, derweil wird er sich jedoch immernoch genötigt sehen, mit neuen Anglizismen zu improvisieren. Borisov versprach dem Publikum, dass die Autobahnen „Lylin“ und „Maritsa“ bis Jahresende für den Verkehr freigegeben würden. „Wir werden einen 62-63 km langen Autobahnabschnitt ausbauen“, sagte er. Er versprach noch einer in Berlin ansässigen Frau aus Burgas, in 10 Monaten den Verkehrsknoten von Burgas auszubauen, sowie den Bau der Kirche „Meden Rudnik“ abzuschließen. „Wieso ist kein Platz für Fußgänger auf den Bürgersteigen vorgesehen?“, war die nächste Frage. Der Ex-Bürgermeister Sofias erwiderte: „Wir gewinnen die Gehsteige mithilfe von Bürgersteigspfählen für die Fußgänger zurück“. Dann fragte er die Frau welches Stadtviertel sie denn wohl meine und als er „Losenets“, hörte, versprach er: „Eine U-Bahn lasse ich da in 2 Jahren errichten“. Die Antwort schien ihm offensichtlich zu arg gewesen zu sein und er fügte noch hinzu, dass er die römische Straße unter der Promenade dazu bauen lassen wolle. Und „das nächste Mal, wenn Du deine Freundinnen aus Berlin nach Rom mitbringst, kauft ihr euch „Versace“ und „Armani“, sagte er und fragte, ob es denn in Berlin etwas Vergleichbares gebe. Und um das Thema abzuschließen, erklärte er, dass Bulgarien ein wirtschaftlich rückständiges Land ist, „das 45 Jahre lang zurück und ein wenig Abseits gestanden hat“.