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Politik

04.02.2010
Demonstrativer Mordanschlag im Herzen von Sofia provoziert die Regierenden
„Wenn es stimmt, dass man schon in den ersten Tagen erkennt, ob das Jahr gut sein wird oder schlecht,
dann haben wir wohl nicht viel Gutes zu erwarten“

Bobby Tsankov


Im Zentrum von Sofia, am Alexander-Stamboliyski-Boulevard, hält ein gepanzerter Geländewagen, dessen Eigentümer Zlatomir Ivanov, alias Zlatko Baretata, ist. Drei Männer steigen aus dem Wagen aus. Der eine von ihnen ist Bobby Tsankov, der auf dem Weg ins Büro von Lachezar Takov, dem Anwalt von Baretata, ist, mit dem er zuvor einen Termin verabredet hat. Die beiden anderen Männer sind Bodyguards, die für eine Bewachungsfirma arbeiten, welche ebenfalls mit Baretata in Verbindung gebracht wird. Dies waren die letzten Lebensminuten des ´skandalumwitterten Hörfunkmoderators´, der in einer Fußgängerpassage aus nächster Nähe erschossen wurde, bevor er die Anwaltskanzlei erreicht hatte. Fünf Stunden später wurden Krasimir und Nikolai Marinov, besser bekannt als die Margin-Brüder, sowie Stefan Bonev-Sako, von der Polizei festgenommen. Wie der Oberstaatsanwalt von Sofia, Nikolai Kokinov, etwas später erklärte, erfolgte die Festnahme der erwähnten Personen wegen der Erschießung von Bobby Tsankov.
Die Ermordung von Bobby Tsankov weist viele Gemeinsamkeiten mit einem anderen Mordanschlag auf, dem ein anderer Mafia-Chronist, Georgi Stoev, zum Opfer gefallen war. Stoev war am 7. April 2008 nahe dem Sofioter Hotel Pliska mit einem Kopfschuss getötet worden. Genau wie Tsankov war Stoev auf dem Weg zu einem Termin bei seinem Anwalt, wurde jedoch nicht von Bewachern begleitet. Wenige Tage vor dem Attentat war Stoev als Gast in der TV-Sendung „Heiß“ der Moderatorin Veneta Raikova aufgetreten und hatte dort Werbung für sein neuestes Buch gemacht, das nach seinen Worten sensationelle Enthüllungen über mehrere Unterweltbosse enthalte. Das Buch war, genau wie der zweite Teil der Buchreihe von Bobby Tsankov, vom Weekend-Verlag herausgegeben worden. Zwischen den beiden Ermordeten gäbe es auch äußerliche Ähnlichkeiten, etwa in Bezug auf Körpergröße und Gewicht.
Demonstrativer Mordanschlag im Herzen von Sofia provoziert die Regierenden. Nur wenige Stunden, nachdem Innenminister Tsvetan Tsvetanov im Nationalen Fernsehen erklärt hatte, dass die Regierung den Kriminellen ziemlichen Respekt eingeflößt habe, wurde Bobby Tsankov demonstrativ erschossen. Zum Zeitpunkt des Mordanschlags gab Premier Boiko Borisov gerade eine Pressekonfernz im Gesundheitsministerium, das sich in derselben Straße befindet und nur 50 Meter vom Tatort entfernt ist.

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