Gewerkschaften und Geschäftswelt prognostizieren über 100 000 neue Arbeitslose im nächsten Jahr
Obwohl die Krise allmählich vergeht, kommt der große Zusammenbruch des Arbeitsmarktes 2010 nach einstimmigen Prognosen der Gewerkschaften und Arbeitgeber. Demzufolge liegt die Arbeitslosenquote im nächsten Jahr bei 13 Prozent. Der Sozialminister Totyu Mladenov teilt diese pessimistische Meinung jedoch nicht. In den nächsten Monaten erhöht sich die Arbeitslosigkeit um 3 bis zu 5 Prozent, d.h., ungefähr 100 000 – 150 000 Beschäftigte verlieren in dieser Periode schrittweise ihre Arbeitsplätze, erklärte der Stellvertreter des Vorsitzenden der Konföderation der unabhängigen Gewerkschaften in Bulgarien (KNSB), Plamen Dimitrov, auf einer Konferenz über die Arbeitsstellen und die Krise in Europa. Nach vom Sozialminister zitierten Angaben der Beschäftigungsagentur sind die Erwerbslosen im September 297 515, was eine Arbetslosenrate von 8,03 Prozent darstellt. Die Behauptungen der Gewerkschaften wurden vom Vorsitzenden der Bulgarischen Wirtschaftskammer, Bozhidar Danev, bestätigt. Das Arbeitslosigkeitsniveau steigt im Februar – März 2010 auf 12 Prozent. Der Druck verstärkt sich wegen des Beschlusses der Regierung, die Zahl der Angestellten in der Staatsverwaltung ab dem 01. 11. 2009 um 15 Prozent zu verringern. Es geht um ca. 13 500 Verwaltungsbeamte. Einer der Gründe für den Anstieg der Arbeitslosigkeit geht auf die Tatsache zurück, dass 84 Prozent der Arbeitsplätze von der Geschäftswelt eingerichtet und gesichert wurden. Ein großer Teil davon gehört keinen Mehrwert erwirtschaftenden Bereichen, bei denen es keine Aussicht auf wirtschaftliche Verbesserung im nächsten Jahr gibt. Gemeint sind die Geschäfte mit Immobilien sowie die Finanzvermittlung, die Bauwirtschaft und der Handel. Zur gleichen Zeit verzeichnen die mit dem Export verbundenen Produktionen , denen die am besten ausgebildeten Arbeitskräfte zur Verfügung stehen, stärksten Rückgang. “60 Prozent des Nationaleinkommen verdanken wir dem Business. Wenn die Rede von einem für den Arbeitsmarkt schlechten Jahr ist, so ist das Jahr 2010, und nicht 2009 zu erwähnen, sagte Bozhidar Danev verallgemeinert .” “Die Geschäftswelt wird durch die langsame MwSt – Rückerstattung seitens des Staats belastet und verspätet sich mit der Auszahlung der Gehälter. So kommt es dazu, dass Angestellte die Tilgung ihrer Schulden an Banken und andere Institutionen verzögern. Die überall verschlechterte Liquidität führt bei der bereits vorhandenen Unmöglichkeit der Bevölkerung, ihre Verbindlichkeiten zu decken, offenbar zu einer sozialen Krise, fügte noch Danev hinzu.”Arbeitgeber und Regierung überlegen sich zum ersten Mal ähnliche Anti – Krisen - Politik und 21 der vom Business vorgeschlagenen Anti – Krisen – Maßnahmen gehören bereits zum Anti-Krisen-Plan der Regierung. ”Wenn sich die Wirtschaft relativ schnell von der Krise erholt, so belebt sich der Arbeitsmarkt in vier Jahren, erklärte der Vorsitzende des Wirtschafts- und Sozialrates, Lalko Dulevski.” Der Sozialminister Mladenov willigte in die düsteren Prognosen nicht ein. Seiner Meinung nach erreicht die Arbeitslosigkeit bis zum Jahresende 10 Prozent aber die Maßnahmen zur Verbesserung des Arbeitsmarktes erzielen ein positives Ergebnis bei ihrer Überwindung. Aus diesem Grund beabsichtigt die Regierung, eine Summe von 200 Mio. Lewa (ca. 102 Mio. Euro) zur Arbeitslosenentschädigung zu billigen. Also genau so viel Geld wie in diesem Jahr. Trotz der Krise sind seit dem Jahresanfang 100 200 neue Arbeitsstellen zu verzeichnen, so Mladenov. Die Massenentlassungen sind auch weniger als zuvor (ca. 1422) und betreffen am häufigsten den Dienstleistungsbereich und die Leichtindustrie. Das Hauptproblem bleibt die Kündigung in den Bulgarischen Staatseisenbahnen, wobei 1243 Angestellte ihren Arbeitsplatz verlieren.