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Stand: 01.07.2014

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Gesellschaft

08.04.2008
Deutsche Wurzeln im bulgarischen Nordwesten

Die deutsche Kirche Jungfrau Maria in Bardarski Geran
Als Ferdinand von Coburg – Gotha in Jahr 1887 zum Fürsten von Bulgarien ernannt wurde, begünstigte er auch die Ansiedlung deutscher Familien in Bulgarien. Sein Aufruf fand Gehör in Banat und in Deutschland.
Die ersten deutschen Siedler kamen nach dem Jahr 1890 nach Bardarski Geran, ein Dorf in der Nähe der Hafenstadt Orjachovo an der Donau. Die meisten von ihnen kamen aus dem Banat. Zur gleichen Zeit ließen sich einige deutsche Familien in Endsche bei Schumen und Mitropol bei Pleven nieder.
Der Name Bardarski Geran heißt auf Deutsch „Weber – Brunnen“. Er stammt aus der Zeit der Gründung des Dorfes im Jahr 1886. Die ersten Einsiedler Waren bulgarische Rückwanderer. Ihre Vorfahren hatten sich vor eineinhalb Jahrhunderten der türkischen Unterdrückung durch Auswanderung in die Walachei, dann in das Banat und Ungarn entzogen und waren dort sesshaft geworden.
Weil die Deutschen kein Bulgarisch sprachen, gab es anfangs viele Schwierigkeiten. Das war auch oft der Grund, dass viele nach Banat zurückkehrten oder nach Amerika auswanderten.
Der Unterschied zwischen den bulgarischen Ansiedlern aus dem Banat und den deutschen Siedlern bestand vor allem darin, dass die Deutschen kein Land geschenkt bekamen und auch keine zehnjährige Steuerbegünstigung, wie sie der bulgarische Siedler genoss. Der Deutsche musste den ihm zugewiesenen Hausplatz bezahlen und den Grund käuflich erwerben.
Die wirtschaftliche Lage in Bulgarien war zu dieser Zeit weit ungünstiger als im Banat, doch hofften die tüchtigen und mutigen Männer, die sich zur Auswanderung entschlossen hatten, mit der Zeit das Gleiche zu schaffen wie in der alten Heimat.
Da alle Schwaben, die hier siedelten, österreichisch – ungarische Staatsbürger waren, wollten sie ihre Staatsbürgerschaft klären, um die Bewilligung für neue Landkäufe zu erlangen. So fuhren im Jahr 1895 Heinrich Rusz senior, Johann Welsch senior und Jakob Becker zum deutschen Fürsten Ferdinand von Coburg – Gotha nach Sofia, um persönlich  mit ihm über ihre Anliegen zu sprechen.
Die bulgarische Staatsbürgerschaft wurde den Schwaben zwar verweigert, doch erhielten sie die Genehmigung, als Ausländer in Bardarski Geran zu siedeln und Land zu erwerben, soviel sie wollten. Wenn jemand die bulgarische Staatsbürgerschaft anstrebe, so möge er seinen Sohn zum bulgarischen Militär schicken, dann würde dieser automatisch bulgarischen Staatsbürger.
Und wenn die Banater Schwaben vor relativ wenigen Jahren nach Bulgarien kamen, so ließen sich die Sachsen in der Stadt Tschiprovzi laut manchen Forschern bereits im 14. Jahrhundert, in der Zeit der letzten bulgarischen Königen (1330-1360) nieder. Bis zum 17. Jh. trug ein Wohnviertel in Tschiprovzi den Namen „Regio Saxonium“ – nach dem Namen seiner ehemaligen Bewohner. Andere Autoren bringen die Ansiedlung der Sachsen nicht nur in Tschiprovzi, sondern auch im benachbarten Dorf Kopilovzi, gegen 13. Jh. fort. Dritte behaupten, dass dies gegen Beginn der osmanischen Herrschaft auf den Balkan erfolgte.
Es gibt unterschiedliche Meinungen bezüglich der Zahl und der Herkunft der Sachsen. Bekannt ist, dass sie im Mittelalter Fachleute im Bergwerkbau und in der Erzgewinnung waren und deshalb in vielen Ländern eingestellt wurden (Walachei, Transsilvanien, Serbien u.a.), wo die Erzgewinnung auf einer traditionellen Art und Weise erfolgte. In Bulgarien und speziell in der Region von Tschiprovzi wurden die Sachsen wahrscheinlich durch Sonderverträge angezogen. Unumstritten verfügten sie über Privilegien als Fachkräfte im Vergleich zur Stammbevölkerung. Hier ließen sich 50 bis 60 Menschen mit ihren Familien nieder. Sie kamen auf einmal und wurden Techniker und Aufseher in den Bergwerken von Tschiprovzi. Trotzdem gelang es ihnen nicht, einen wesentlichen Einfluss auf den gesellschaftlich-politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Leben der Siedlung zu üben. Etwas mehr – die Sachsen wurden allmählich von den hiesigen Bulgaren durch gemischte Ehen und unter der Wirkung der Umgebung, der Sprache und der Lebensweise assimiliert. Im 16. und 17. Jh. wurde ihre Existenz nicht mehr erwähnt. Es blieb nur die Erinnerung an sie und der Name eines der Wohnviertel der Stadt. Die Sachsen trugen zur Entwicklung der Erzgewinnung in der Region um Tschiprovzi bei, aber offensichtlich stärker war ihr religiöser Einfluss, der zusammen mit dem Einfluss der Kaufleute von Dubrovnik, obwohl im begrenzten Maße, zur Festigung des Katholizismus im Laufe einiger Jahrhunderte beigetragen hat.

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