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Stand: 07.06.2017

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01.02.2018  
Der talentierte Herr Mondeschki
Eine Geschichte über faule Äpfel, die dennoch reifen 
02-2018_04-1.jpgDer Preisträger Mladen Mondeschki (r.) mit dem Botschafter Salber bei der Preisverleihung Foto:  Yordan Simeonov

Er gehört zu jener Sorte bulgarischer Geschäftsleute, die Luxuslimousinen und Zigarren lieben, aber keine Krawatten tragen, nicht einmal zu feierlichen Anlässen wie Ehrungen auf Empfängen mit ausländischen Gästen. Ende 2014 taucht der Name von Mladen Mondeschki erstmals auf im Zusammenhang mit einemgrandiosenSkandal, der die bulgarische Justiz zutiefst erschütterte und eine breite internationale Resonanz mobilisierte. Dabei handelt es sich um den Fall „Belvedere“ – ein symptomatischer Fall, an den es sich lohnt zu erinnern. Im Mittelpunkt stand ein Insolvenzverfahren von Tochterunternehmen des besagten französischen Spirituosenherstellers. Im Grunde war es ein Versuch, diese zu vereinnahmen. Die Unternehmen der französischen Gesellschaft Belvedere wurden nach einem erprobten und bewährten Schema attackiert, das für die Vereinnahmung, alias für den Diebstahl von Firmen eingesetzt wird. In dieserSachetauchen die Namen von Richtern, Geschäftsleuten und Politikern auf – alle miteinander irgendwie verknüpft. Hauptheld in der Affäre Belvedere ist Mladen Mondeschki, der mit seinem Unternehmen Agrotechnologyam Insolvenzverfahren beteiligt ist. Der Plan funktioniert folgendermaßen: zunächst wird politischer Druck ausgeübt, damitBelvederegezwungen wird, einen nachteiligen, ja sogar absurden Vertrag mit einer im Vorfeld ausgesuchten Person, in diesem Fall mit Mladen Mondeschki, abzuschließen. Agrotechnology, ein Unternehmen mit einer ganz anderen Geschäftstätigkeit, schließt mit Belvedereeinen Vertrag ab für die Erstellung einer Marktstudie und den Entwurf einer Werbestrategie für die Produkte Vodka und Wein. Der Preis für den Auftrag liegt ursprünglich bei BGN 47 471,00. Einige Monate später wird noch ein Annex in Form einer Zusatzvereinbarung hinzugefügt und die Summe schwillt auf BGN 189 886,00 an. In der Zwischenzeit wird gegen das Unternehmen Belvedere Distribution ein Insolvenzverfahren angestrengt seitens von Time arch,einem Unternehmen aus Plovdiv. Es werden Ansprüche in Höhe von BGN 115 000,00 geltend gemacht, ein Betrag, der gem. Vertrag für die Wartung und regelmäßige Bestückung einer Plakatwand mit Außenwerbung fällig wird. Blitzschnell wird auch schon ein Gerichtsverfahren eingeleitet – im Normalfall eigentlich ganz unvorstellbar und unüblich für das bulgarische Rechtspflegesystem. Dann wird angeblich nach dem Zufallsprinzip ein Richter bestellt, der im Vorfeld ausgehandelt wurde, so dass dieser in weniger als 24 Stunden, nachdem ihm das Verfahren „zugefallen“ ist, die Konten der besagten Firma sperren lässt und einen ebenfalls im Vorfeld bestimmten Insolvenzverwalter bestellt. Der Insolvenzverwalter hat die Aufgabe, die notwendigen Schritte einzuleiten, damit die Firma denjenigen übertragen wird, die ein Auge auf sie geworfen haben und sie erwerben wollen. Ebenso schnell beantragt die Firma von Mondeschki bei Gericht, als Gläubiger von Belvedere eingetragen zu werden wegen jener fast 200 000,00 Leva gem. Vertrag für eine nicht existierende und nicht stattgefundene Leistung. Dies geschieht, obwohl NAP-Veliko Tarnovo offiziell dazuStellung nimmt und erklärt, dass der Vertrag der Firma von Mondeschki mit Belvedere hohl ist. Diese Tatsache spieltejedoch für das Gericht keinerlei Rolle und es setzt den 28jährigen Mladen Mondeschki kurzerhand zum Gläubiger der französischen Firma ein.

Einzig und allein die rechtzeitige Intervention des französischen Botschafters hat die Vereinnahmung des Unternehmens vereitelt.

Der Skandal Belvedere endete nicht mit dem geplanten Firmendiebstahl. Dies konnte vereitelt werden, da sich der damalige französische Botschafter in Bulgarien, Xavier Lapere de Cabanes, einmischte und entsprechend intervenierte, indem er in aller Öffentlichkeit darlegte, wie das Schema eigentlich funktioniert. Von ihm stammt auch der Begriff von den „faulen Äpfeln“ in der Justiz. Die Hauptakteure sowie all die Handlungen erinnerten an ähnliche Skandale, die fatal endeten, denn bei ihnen fehlte das internationale Element und der Widerstand der Machthaber war weitaus größer. Es folgte der Rücktritt der Vorsitzenden des Sofioter Stadtgerichts Vladimira Janeva, eine nahe Freundin des wegen Urkundenfälschungsdelikten verurteilten Bruders von Mladen, Momtschil Mondeschki. Viele Richter bezeugten in diesem Zusammenhang, dass er viel Zeit im Dienstraum von Janeva im Gericht verbracht hat. Fast zeitgleich wurde auch ihre Kollegin, die Richterin in diesem Verfahren, Rumjana Tschenalova, entlassen. Das führte schließlich dazu, dass Tschenalova dieses Lager verläßt, quasi „überläuft“ und eine Art Belastungszeuginwird. Die Medien hatten Aufnahmen sicherstellen können zwischen ihr, Janeva und Momtschil Mondeschki. Daraus wurde klar, dass prekäre Abhängigkeiten und unerlaubte Einflussnahme seitens Ministerpräsident, Generalsstaatsanwalt und hohen Richternexistieren.Nach und nach wurde klar, dass ein Großteil der dort angeführten Fakten, die in den Gesprächen erwähnt wurden, auch tatsächlich stimmt.
Alle weiteren Beteiligten in dieser Affäre,mit Ausnahme der beiden Richterinnen, konnten ungestraft davonkommen und ihre Aktivitäten unter staatlichem Schutz ungestört fortsetzen. Nachdem die Staatsanwaltschaft es abgelehnt hatte, die Gesprächsaufnahmen weiter zu untersuchen, erklärte Momtschil Mondeschki öffentlich, dass diese Aufnahmen ein „abgekartetes Spiel“ seien, wodurch bezweckt wird, dass er und die beiden Richterinnen kompromittierende Informationen über Leute in Führungspositionen zwecks Erpressung in Umlauf bringensollten. Auf diese Art hat er Generalstaatsanwalt Zazarov und MP Borissov sowie die Mitglieder des Obersten Justizrates, die Hauptakteure in den Gesprächen der drei, willfährig entlastet. Momtschil Mondeschki ging sogar soweit, dass er „Janeva-Gate“ als europäische Handelsmarke eintragen ließ. Unter diesem Namen wurde der Skandal in der Öffentlichkeit bekannt. Damit begann der Prozess der Spurenverwischung im großen Stil – Spuren wurden rigoros unter den Teppich gekehrt, damit das Image wieder aufzupolieren war. Der Bruder von Mladen Mondeschki hat sich auch dadurch einen Namen gemacht, dass er seine Buchhalterin, trotz ihrer sehr bescheidenen Berufserfahrung, als Nachlassverwalterin von KTB hat einsetzen lassen. Ein Jahr später, konnte sie die Befähigungsprüfung für diesen Posten nicht bestehen. In einigen Veröffentlichungen in den Medien wird Momtschil Mondeschki, einnaher Bekannter des mythischen DPS-Abgeordneten und Medienmonopolisten Daljan Peevski, als „Hauptakteur bei dem KTB-Raub“ benannt. 
Unlängst hat die Zeitung Kapital eine interessante Information über einen Gerichtsbeschluss veröffentlicht. Dieses Urteil bescheinigt Momtschil Mondeschki das Recht, dass er ganz legal über die Summe von Euro 900 000,00 verfügen kann. Vor dem Gericht behauptete Mondeschki, dass sein Großvater vor acht Jahren von der auf den Seychellen registrierten FirmaExim Reveal Corporation eine Finanzspritze in Höhe von Euro 900 000,00 erhalten hätte – eine Schuldenlast, welche beide Brüder nach dessen Tod übernommen hätten. Die beiden Mondeschki-Brüder hatten beantragt, dass das Gericht die Forderung wegen inzwischen eingetretener Verjährung offiziell als unzulässig anerkennt. Das Schema ist ein klassisches Beispiel für mögliche Geldwäsche, meinen Juristen, denn die Offshore-Gesellschaft reagiert in keiner Weise.Andererseits ist es verwunderlich, dass der Großvater mit einem so großen Geldbetragbedacht wurde.

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